Urinuntersuchungen bei Prostataerkrankung

Zur Gewinnung und Untersuchung von Urinproben werden verschiedene Methoden verwendet. Hinzu kommen Untersuchungen der Bildung und Ausscheidung des Urins, zum Beispiel die Uroflowmetrie (Harnflussmessung).

Erkrankungen der Prostata und deren Komplikationen wirken sich oft auf den Urin und die Miktion (das Wasserlassen) aus. So können sich bei Entzündungen wie einer Prostatitis oder einem Harnweginfekt Bakterien und Blut im Urin nachweisen lassen (s. auch akute Prostatitis und Hämaturie).

Gewinnung von Urinproben

Zu Beginn der Miktion (Wasserlassen), in der ersten Harnportion enthält der Urin zunächst viele Beimengungen aus der Harnröhre und eventuell von der Penisspitze (z.B. Schleim, Zellen, Bakterien). Danach solche, die schon in der Blase darin aufgewirbelt oder gelöst waren, und zum Schluss sozusagen den Bodensatz aus der Blase. Um bestimmte Beimengungen zu verringern oder ihre Quelle einzugrenzen, werden Urinproben nach Desinfektion der Penisspitze durch Auffangen einzelner Harnportionen gewonnen:

Mittelstrahlurin (MSU): Nach Entleeren und Verwerfen der ersten Harnportion (der ersten 10-30ml) wird eine zweite Portion aufgefangen. In vielen Fällen reicht diese einfachste Probe aus.

Zweigläserprobe: Hierbei fängt man die erste Harnportion (die ersten 10-30ml) und den Mittelstrahlurin (MSU, s.o.) getrennt auf. Gelegentlich spricht man auch von einer Zweigläserprobe, wenn der Mittelstrahlurin und eine Harnportion nach Prostatamassage (s.u.) getrennt aufgefangen wurden.

Drei- und Viergläserprobe: Nach Auffangen der ersten Harnportion und des Mittelstrahlurins (MSU, s.o.) wird die Prostata untersucht und dabei etwas massiert (s. auch digitale rektale Untersuchung, DRU). Dann wird der restliche Harn samt Prostatasekret in ein drittes Glas entleert (Dreigläserprobe). Von der Viergläserprobe spricht man, wenn das Sekret schon bei der Prostatamassage durch die Harnröhre abgeflossen ist und getrennt aufgefangen wurde. Sie ist die wichtigste Methode, um eine bakterielle Entzündung der Prostata und der Harnwege auszuschließen.

Nur in ganz speziellen Fällen muss die Urinprobe mit einem Katheter, endoskopisch (bei der Blasenspiegelung) oder durch Blasenpunktion (Entnahme mit einer Nadel durch die Bauchdecke) gewonnen werden. Auch Sammelurin dient besonderen Zwecken, nämlich der genauen Messung, welche Menge eines Stoffes oder welche Anzahl geformter Bestandteile in einer bestimmten Zeit (3-24 Stunden) ausgeschieden wurde. Dazu wird zunächst die Blase ganz entleert und dann der Urin während der Sammelperiode (auch nochmals am Ende der Periode!) in Behältern gesammelt.

Untersuchung von Urinproben

Inspektion (Betrachten): Farbe und Transparenz des Urins geben Hinweise auf seine Zusammensetzung. Zum Beispiel ist er je nach Konzentration hell- bis dunkelgelb. Eine Rotverfärbung kann von Farbstoffen oder Blut verursacht werden (s. Hämaturie), eine Trübung von einer Entzündung und Schaumbildung von einer vermehrten Ausscheidung von Eiweiß.

Teststreifen-Untersuchung: Diese Schnelltests messen bestimmte chemische Stoffe und liefern quantitative (genaue) oder semiquantitative („halb-genaue“, orientierende) Werte. Meist für Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen, Entzündungszellen), Protein (Eiweiß), Glukose (Zucker), Nitrit (Zeichen für Bakterien), Bilirubin und Urobilinogen (Abbauprodukte von Blutfarbstoff) sowie Konzentration (spezifisches Gewicht) und Säuregrad (pH) des Urins.

Mikroskopische Untersuchung: Damit lassen sich geformte Bestandteile des Urins erkennen und eventuell auszählen, beispielsweise Kristalle, Blutkörperchen (Erythrozyten, Leukozyten), Epithelzellen (Zellen der Harnwegsoberflächen), Spermien (Samenfäden) und Bakterien. Dies geschieht meist anhand von (gegebenenfalls gefärbten) Ausstrichen des Harnsediments. Es wird durch Zentrifugieren des Urins gewonnen, was der Anreicherung der festen Bestandteile dient.

Bakteriologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine Entzündung legt man Bakterienkulturen an, indem man die Urinproben auf Nährböden aufträgt. Beim Bebrüten (Inkubation, meist für 24 Stunden) teilen sich die Bakterien und bilden Kolonien. Diese werden zur orientierenden Keimzahlbestimmung ausgezählt und dann eventuell auf besondere Nährböden ausgebracht, um die Art der einzelnen Erreger zu bestimmen (Keim-Typisierung) und ihre Resistenz (Widerstandsfähigkeit) gegen Antibiotika (Antibiogramm). Untersucht man so alle Portionen aus einer Zwei-, Drei- oder Viergläserprobe (s.o.), kann man aus den Ergebnissen ersehen, wo sich der Entzündungsherd am wahrscheinlichsten befindet.

Uroflowmetrie (Harnflussmessung)

Bei der Uroflowmetrie wird die Harnblase auf normalem Weg in ein Messgerät entleert. Es misst die pro Sekunde entleerte Harnmenge und stellt diese Flussrate (engl. flow) gegen die Zeit als Kurve dar. Daraus lassen sich dann die Dauer der Miktion (des Wasserlassens, normal 10-15 Sekunden), die maximale Flussrate (normal 20-50ml pro Sekunde) und die Ausscheidungsmenge ablesen.

Die Uroflowmetrie ist vor allem dazu geeignet, um eine Behinderung des Harnabflusses aus der Blase festzustellen, also die obstruktiven Miktionsstörungen (s. Miktionsstörungen). Besonders wichtig ist dies beim benignen Prostatasyndrom (BPS): Die Verengung der Harnröhre zeigt sich als typische Kurve mit verzögertem Anstieg, verminderter maximaler Flussrate und verlängerter Miktionsdauer (s. Untersuchung beim BPS). Und die Messwerte sind entscheidend für die Art der Behandlung (s. Behandlung des BPS).

Weitere Urinuntersuchungen

Bei Prostataerkrankungen reichen die genannten Methoden meist aus. Nur in besonderen Fällen sind weitere Untersuchungen des Urins oder seiner Bildung und Ausscheidung erforderlich, zum Beispiel eine genaue Bestimmung ausgeschiedener Zellen (Zytodiagnostik), eine Blasendruckmessung (Zystomanometrie) und Röntgenuntersuchungen.