Krafttraining

Durch gezieltes Krafttraining können folgende spezielle Effekte bei Prostatakrebspatienten erreicht werden:

  • Verbesserung/ Stabilisierung des Kraftniveaus
  • Erhöhung des Muskelanteils im Körper
  • Aufhalten des Osteoporose-Prozesses
  • Positive Beeinflussung von Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus
  • Verbesserung der seelischen Befindlichkeit
  • Reduktion von Müdigkeit und Erschöpfung

Ein allgemeines Krafttraining sollte mindestens über eine Dauer von drei Monaten durchgeführt werden, um einen Effekt zu erzielen. Idealerweise integrieren Sie ein regelmäßiges Krafttraining in Ihren Lebensstil und trainieren 2- bis 3-mal pro Woche. Die Intensität des Krafttrainings ist davon abhängig, ob und wie stark eine Inkontinenz bei Ihnen ausgeprägt ist. Denn je intensiver die Belastungen, desto eher gehen während des Trainings „Tropfen verloren“. Generell sollten die Übungen so durchgeführt werden, dass Sie sie selbst als „etwas anstrengend“ bis „anstrengend“ empfinden. Sie können sowohl an Geräten trainieren als auch Übungen zu Hause machen. Zusätzlich zu den Krafttrainingseinheiten können auch Dehnübungen durchgeführt werden, damit die Muskulatur nicht verkürzt. Diese Übungen sind an dieser Stelle nicht aufgelistet, können aber in den zahlreichen üblichen Ratgebern und Büchern nachgelesen werden.

Wenn Sie unter einer erhöhten Knochenbruchgefahr oder unter Osteoporose leiden, achten Sie besonders auf die genaue Ausführung von Übungen. Halten Sie vor Trainingsbeginn Rücksprache mit Ihrem Arzt. Training an geführten Geräten kann hier eine Hilfe sein. In diesem Fall sollten Sie Übungen mit stoßartigen Belastungsspitzen vermeiden.

Bei allen Übungen sollten Sie darauf achten, Ihre Atmung zu kontrollieren. So können Sie auch bewusst Ihre Blase steuern. Vermeiden Sie eine Pressatmung. Das heißt, Sie sollten nicht die Luft anhalten und so den Druck in Ihrem Bauchraum, dem imaginären „Luftballon“, vergrößern.

Die ersten beiden Übungen zur Serie „Krafttraining“ dienen vor allem der Kräftigung der Arm-, Brust und Nackenmuskulatur. Die Übungen lassen sich gut in Ihren Tagesablauf einbinden, die zum Training benötigten Hilfsmittel (kleine Wasserflasche und Handtuch) sind meist mit wenigen Handgriffen im Haushalt verfügbar.

Koordination

Durch gezieltes Koordinationstraining können folgende spezielle Effekte bei Prostatakrebspatienten während der Hormontherapie erreicht werden:

  • Sturzprophylaxe
  • Verbesserung der Feinmotorik
  • Durch eine verbesserte Koordination kann ein Kraftverlust ausgeglichen werden
  • Verbesserte Wahrnehmung
  • Stabilisierung der kognitiven Fähigkeiten

Bei Koordinationsübungen geht es nicht um die Kräftigung einzelner Muskelgruppen. Vielmehr soll das Zusammenspiel zwischen Gehirn und Muskulatur verbessert werden. Um dies zu erreichen, muss man den Körper Situationen aussetzen, die er nicht gewohnt ist oder Bewegungsaufgaben stellen, die man im Alltag selten durchführt. So trainiert man das Gehirn, schnell auf unbekannte Situationen zu reagieren und Bewegungen anzupassen. Kleine Herausforderungen können Sie sich selbst in Ihrem Alltag bauen: Gehen Sie auf unebenem Untergrund (Steine, Wurzeln, Laub) spazieren. Stellen Sie sich auf einen instabilen Untergrund, z.B. ein Kissen oder eine zusammengerollte Isomatte. Vielleicht schaffen Sie es sogar, sich auf ein Bein zu stellen und dabei die Augen zu schließen.

Versuchen Sie beim Fahrradfahren z.B. auf einem nicht befahrenen Parkplatz eine liegende Acht zu fahren. Hier möchten wir Ihnen keine Vorgaben zu Wiederholungen geben. Fühlen Sie in sich hinein. Wenn Sie merken, dass Sie sich nicht mehr konzentrieren können, dann beenden Sie die Übung.

Effekte

  • Verbesserung der Reaktionsfähigkeit im Alltag
  • Reduktion des Sturzrisikos
  • Durchführung alltäglicher Bewegungen mit geringerem Kraftaufwand

Die beiden nachfolgenden Koordinationsübungen lassen sich jederzeit in Ihren Alltag integrieren. Mithilfe der ersten Übung trainieren Sie im besonderen Maße die Koordination Ihrer Hände und Finger, die zweite Übung hilft Ihnen ihre Standfestigkeit zu verbessern und das Gleichgewicht zu trainieren:

1) „Pistole“ (für die Hände)

Bewegung bei Prostatakrebs - positiver Effekt wissenschaftlich bestätigt

Eine Vielzahl von sportwissenschaftlichen Studien belegen den positiven Effekt von körperlicher Aktivität auf das körperliche und psychische Wohlbefinden von Prostatakrebspatienten. Durch gezielte Bewegungsprogramme können Symptome und behandlungsbedingte Nebenwirkungen, wie zum Beispiel das Fatigue-Syndrom gelindert werden. Die Datenlage deutet zudem darauf hin, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko einer Herzkreislauf- und Diabetes-Erkrankung reduzieren sowie das Überleben von Prostatakrebspatienten verlängern kann. Ausgehend von der Studienlage zur körperlichen Aktivität bei Krebspatienten empfehlen internationale Richtlinien mindestens 150 min. aerobe körperliche Aktivität (z.B. Laufen, Walken, Radfahren, Schwimmen) pro Woche bei moderater oder intensiver Intensität, das heißt Sie sollten bei der Aktivität mindestens leicht ins Schwitzen kommen. Zusätzlich sollten muskelkräftigende körperliche Aktivitäten an mindestens zwei Tagen pro Woche durchgeführt werden (z.B. Krafttraining an Geräten).

Muskelaufbau durch Zellaktivierung

Dass körperliche Ertüchtigung zum Muskelwachstum beitragen kann, ist bekannt. Für Krebspatienten ist Bewegung vor allem wichtig, um einem krankheitsbedingten Muskelabbau entgegenzuwirken. Interessant sind dabei vor allem die Prozesse auf zellulärer Ebene.

Bei vielen Krebspatienten, insbesondere auch beim Prostatakarzinom, kann es zum Muskelschwund und somit zu einer nachlassenden körperlichen Kraft kommen. Diese sogenannte Sarkopenie hat verschiedene Ursachen. Zum einen führen die nachlassende körperliche Aktivität und auch ein möglicher therapiebedingter Testosteronmangel zum Muskelabbau, zum anderen kann es zu einer gegenseitigen Beeinflussung von Muskel und Tumor kommen.

Wichtige Prozesse

Möchte man das Muskelwachstum fördern, ist es interessant, den Prozess der Stammzellaktivierung zu kennen und daraus eventuell Rückschlüsse für ein entsprechendes Training zu ziehen. Zum Hintergrund: In den Muskeln befinden sich spezielle Stammzellen – sogenannte Satellitenzellen, die in aktivem Zustand unmittelbar am Muskelaufbau beteiligt sind. Doch wie aktiviert man diese Zellen? Ein Wirkstoff, der dafür gut geeignet ist, ist Testosteron. Wenn es aber aufgrund einer medikamentösen Behandlung des Prostatakarzinoms zu einem Testosteronmangel kommt, sollte man erst recht unbedingt auf Sport zurückgreifen.

Denn körperliche Ertüchtigung führt ebenfalls zur Aktivierung der Satellitenzellen und somit zum Muskelwachstum. Voraussetzung dafür wiederum ist, dass in den aktivierten Zellen genug Zellkerne gebildet werden. Denn nur diese können die zur Bildung neuer Muskelfasern wichtigen Prozesse (Proteinsynthese) in Gang setzen. So zeigte sich, dass stetiges einheitliches Training zwar Stammzellen aktivieren kann, jedoch keine zusätzlichen Zellkerne gebildet werden und die wichtige Proteinsynthese damit ausbleibt.

Training in Perioden

Wie auch auf Zellebene effektives Training aussehen kann, zeigen Untersuchungen mit Radsportlern. Diese trainieren bekanntermaßen in Perioden: Im Winter überwiegt sogenanntes hoch-voluminöses Training (HVT), etwa Krafttraining mit möglichst vielen langen Übungssätzen, bei denen die Muskeln bis zur Ermüdung beansprucht werden. Im Sommer bzw. der Wettkampfsaison wird dann hauptsächlich hoch-intensiv trainiert (HIT) – mit kurzen, aber sehr harten Übungseinheiten.

Zelluntersuchungen bei diesen Sportlern zeigen, dass es mit den verschiedenen Trainingsblöcken zu einer Wellenbewegung der Stammzellaktivierung bzw. der Zellkernbildung kommt: Während im Winter beim Volumen-Training vermehrt Satellitenzellen aktiviert werden und dieser Effekt im Sommer abnimmt, ist es bei den Zellkernen umgekehrt. Sie werden hauptsächlich im Sommer durch das intensivere Training gebildet und die Produktion nimmt im Winter wieder ab.

Genau diese Prozesse machen den Erfolg der periodisierten körperlichen Aktivität aus: Zuerst werden vermehrt Stammzellen aktiviert, um in diesen anschließend zahlreiche Zellkerne zu bilden und somit Proteinsynthese und Muskelwachstum zu ermöglichen. Wichtig bei beiden Phasen ist eine ausreichende Regenerationszeit für die Muskeln.

Für die Praxis

Von der Tatsache, dass ein solches Trainingsprogramm hauptsächlich von Profisportlern praktiziert wird, sollten sich Freizeitsportler aber nicht abschrecken lassen. Und auch für Krebspatienten gilt, dass körperliches Training in Blöcken verschiedener Intensität mehr bewirken kann als einheitliches Training über einen längeren Zeitraum. Aus diesem Grund sollten diese Erkenntnisse auch bei entsprechenden Physiotherapien oder Rehaprogrammen beachtet werden. Dies wird künftig sicher zunehmend der Fall sein.

Quelle:

  • Vortrag „Quo Vadis körperliche Aktivität bei Prostatakarzinom“, Prof. Dr. Wilhelm Bloch, Deutsche Sporthochschule Köln, 5. März 2016

Autorin: Anne Göttenauer, 09.03.2017

Training zum Muskelaufbau während Hormontherapie

Schon ein kurzes, leichtes Training verbessert die Muskelmasse, die Kraft, die Körperfunktion, das Gleichgewicht und das Wohlbefinden bei Männern mit Prostatakrebs während einer Androgenentzugstherapie, so eine neue australische Studie.

Androgene, die männlichen Geschlechtshormone, spielen eine wichtige Rolle beim Wachstum bösartiger Prostatazellen. Dies ist der Grund dafür, dass der Androgenentzug (oder die ADT = Androgendeprivationstherapie) bei Prostatakrebs eingesetzt wird (s. Hormontherapie des Prostatakarzinoms).

Da Androgene aber auch den Aufbau der Muskulatur fördern (s. Geschlechtshormone), kann eine lang dauernde ADT zum Muskelabbau führen (s. Hormontherapie). Dieser schränkt möglicherweise die Beweglichkeit, Unabhängigkeit und Lebensqualität ein, genauso wie Gewichtszunahme, Knochenabbau sowie Erkrankungen des Stoffwechsels und des Herz-Kreislauf-Systems, die ebenfalls bei einer Langzeit-ADT vorkommen können. Als Gegenmaßnahme gegen alle diese Veränderungen wird körperliches Training empfohlen, wozu es bislang nur wenige Untersuchungen gab. Eine neue, aussagekräftige, australische Studie liefert jetzt eine weitere Unterstützung:

Eingeschlossen waren 57 Männer mit lokal begrenztem Prostatakarzinom ohne Knochenmetastasen (wenige mit Lymphknotenmetastasen), die seit mindestens 2 Monaten eine ADT erhielten und eine solche voraussichtlich für weitere 6 Monate erhalten sollten. Von ihnen wurden 29 zufällig ausgewählt; sie führten für insgesamt 12 Wochen zweimal pro Woche ein leichtes, kombiniertes Muskel- und Ausdauertraining durch. Die restlichen 28 Männer dienten als Vergleichskontrollen.

Nach der Trainingsperiode zeigten sich einige deutliche Unterschiede zwischen den trainierten und untrainierten Männern: Die Trainierten hatten eine höhere fettfreie Körpermasse, größere Muskelkraft und längere Ausdauer. Daneben schnitten sie in manchen speziellen Tests besser ab, zum Beispiel beim Aufstehen aus einem Stuhl und beim Rückwärtsgehen. Außerdem beurteilten sie einige Aspekte ihres Befindens deutlich besser, zum Beispiel ihre allgemeine und körperliche Gesundheit, ihre Vitalität und ihre Erschöpfung (Fatigue-Symptome). Bei den Blutwerten (einschließlich PSA und Testosteron) fanden sich hingegen keine Unterschiede, abgesehen von einem niedrigeren CRP (ein Marker für Gewebeschädigung) bei den Trainierten. Und das Training hatte keinerlei negative Auswirkungen.

Die Autoren der Studie schlossen aus diesen Ergebnissen, dass das Training gut vertragen wird und nicht nur den Muskelabbau verhindert, sondern sogar für einen Muskelaufbau sorgt. Schon ein relativ kurzes Kombinationstraining verbessere die Muskelmasse, die Kraft, die Körperfunktion und das Gleichgewicht bei Männern während einer Hormontherapie deutlich. Es empfehle sich deshalb als effektive Gegenmaßnahme gegen die genannten möglichen Nebenwirkungen dieser Behandlung und zur Verbesserung des Wohlbefindens.

Quelle

  • Galvao, D. A., et al.: Combined resistance and aerobic exercise program reverses muscle loss in men undergoing androgen suppression therapy for prostate cancer without bone metastases: A randomized controlled trial. J Clin Oncol 2009; 28: 340-347

Sport und Bewegung – Bedeutung für Krebspatienten

 

 

Sport kann nicht nur zur Krebsprävention beitragen, auch von Krebs betroffene Patienten sollten unbedingt körperlich aktiv sein. Denn dass Sport und Bewegung viele Vorteile haben, ist inzwischen erwiesen.

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass regelmäßige körperliche Aktivität sowohl das Risiko für Krebs als auch für Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes sowie für Knochen- und Muskelabbau reduzieren kann. Dabei gilt das Motto „Hauptsache aktiv!“. Das heißt, es muss nicht immer Hochleistungssport sein – die Bandbreite körperlicher Betätigung reicht von einfacher Bewegung im Alltag bis hin zu Sport.

Krebs vorbeugen

Dass Sport und Bewegung zur Krebsvorbeugung (Prävention) beitragen können, hat verschiedene Gründe. Dazu zählt vor allem, dass Übergewicht ein Risikofaktor bei verschiedenen Krebsarten ist. Dem wird mit Bewegung entgegengewirkt, da diese positive Auswirkungen auf das Körpergewicht und den Energiehaushalt hat. Zudem beeinflusst regelmäßiges Training u. a. den Insulinspiegel und weitere Botenstoffe im Blut, sodass Wachstumssignale zur eventuellen Entstehung von Tumoren in den Körperzellen unterdrückt werden. Und: Bewegung hat positive regulierende Effekte auf Faktoren bei der Krebsentstehung, wie chronische Entzündungsprozesse, sowie auf das Immunsystem.

Zusammenfassend hat Ertüchtigung viele mögliche körperliche und seelische Vorteile:

  • Stabilisierung des Herz-Kreislaufsystems,
  • Stärkung der allgemeinen Kraft und Fitness,
  • Erleichterung der Alltagsaktivitäten,
  • neues Selbstvertrauen und
  • Verminderung von psychischen Beeinträchtigungen, wie Depressionen und Ängste.

Dazu, welche Sportart besonders zur Krebsprävention geeignet ist, gibt es keine eindeutige Empfehlung. Vielmehr ist die Art der Bewegung abhängig vom Alter, dem individuellen Gesundheitszustand und den Vorlieben. Ratsam sind, verschiedenen medizinischen Gesellschaften zufolge, durchschnittlich mindestens 150 Minuten moderate Bewegung oder 75 Minuten anstrengende Aktivität pro Woche.

Motivation statt Schonung

Trotz der genannten Vorteile ist es für Krebspatienten oftmals schwer, sich zu Sport und Bewegung zu motivieren. So bewegen sich 30 bis 50 Prozent aller Krebspatienten ein Jahr nach der medizinischen Therapie weniger als zuvor. Stattdessen überwiegen häufig Rückzug und Isolation, Inaktivität und Schonung sowie Unwohlsein, ein sinkendes Selbstwertgefühl, depressive Verstimmungen und negative körperliche Auswirkungen.

Früher wurden viele Patienten darin bestärkt, sich eher zu schonen. Grund dafür war die Ansicht, dass man bei einer Krebserkrankung auf zu viel körperliche Aktivität verzichten sollte. Man dachte, dass Sport die Entstehung von Krebs fördern, Tochtergeschwülste (Metastasen) auslösen oder den Genesungsprozess behindern könnte. Heute ist man zum Glück schlauer und weiß, dass Bewegung auch bei Krebspatienten zahlreiche positive Auswirkungen auf Therapie und Krankheitsverlauf hat:

  • Erhalt und Verbesserung der körperlichen und seelischen Stabilität,
  • Vorbeugung und Reduktion von Nebenwirkungen oder Komplikationen,
  • verbesserter Therapieerfolg,
  • Vermeidung und Reduktion von Folgen der körperlichen Einschränkungen
  • mögliche Risikoreduktion für eine Rückkehr der Erkrankungen (Rezidiv) oder Metastasen.

Vorteile nutzen

Die sportliche Betätigung kann in allen Phasen der Erkrankung stattfinden: Nicht nur in der akuten Behandlungszeit und während der Rehabilitation nach der Therapie oder OP, auch bereits zur sogenannten Prehabilitation – vor einer Behandlung oder Operation – ist gezielte Bewegung sinnvoll. Hier kann sie bewirken, den Patienten schon nach der Diagnose physisch zu stärken, ihn auf die Therapie vorzubereiten und einen frühzeitigen günstigen Einfluss auf negative körperliche Effekte, z. B. eine Harninkontinenz, zu erzielen.

Und auch während der Akutphase hat gezieltes Training positive Effekte. Beispielsweise kann im Fall von Prostatakrebs eine Inkontinenz nach einer radikalen Prostatektomie (RPE) durch spezielles Schließmuskeltraining verringert werden. Auch eine Senkung der Sterblichkeit (Mortalität) durch intensive körperliche Betätigung ist bei Patienten mit Prostatakrebs durch eine Studie belegt.

Für alle Krebspatienten gilt, dass es durch individuell angepasste Aktivität  (z. B. Krafttraining) zu einer Verbesserung des krankheitsbedingten Erschöpfungssyndroms (Fatigue) oder durch spezielle Übungen, das sogenannte Impact Training, zu einer Erhöhung der Knochendichte kommen kann. Generell führt Bewegung zu vielen physischen und psychischen Effekten:

  • Steigerung von Fitness, Kraft und Körperkonstitution,
  • Zunahme von Knochen- und Muskelmasse,
  • positive Beeinflussung von Begleiterkrankungen wie Diabetes,
  • Verbesserung von Müdigkeit, Erschöpfung und seelischen Beschwerden und
  • Verbesserung der Lebensqualität.

Näheres zu Effekten von Sport und Bewegung auf zellulärer Ebene finden Sie unter „Sport bei Krebs – Muskelaufbau durch Zellaktivierung“.

Langsam anfangen

Wichtig für alle Patienten ist, immer mit der Bewegung zu beginnen, die dem derzeitigen persönlichen Leistungsstand entspricht. Dazu ist es ratsam, vor dem Beginn der körperlichen Aktivität mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, ob überhaupt Sport gemacht werden darf, sowie Kraft, Ausdauer und Koordination testen zu lassen. Ein anschließendes Training mit dem subjektiven Belastungsempfinden „etwas anstrengend“ bis „anstrengend“ ist dann in den meisten Fällen genau richtig.

Auch wenn man sein Pensum mit der Zeit steigern kann, sollte man Überanstrengungen unbedingt vermeiden und dem Körper immer ein bis zwei Tage Pause gönnen.

Auch bestehen für Krebspatienten kleine Einschränkungen. So sollten sie bei verringerter Knochendichte oder Knochenmetastasen auf Sportarten mit erhöhter Sturzgefahr oder hohem Verletzungsrisiko, wie alpines Skifahren oder Ballsportarten, verzichten. Zeitnah nach einer Operation sollten sie eher normalen Alltagsaktivitäten nachgehen und/oder spezielle angepasste physiotherapeutische Angebote nutzen. Schwimmbadbesuche sollten bei geschwächtem Immunsystem oder bei Prostatakrebspatienten bei Inkontinenz nach einer OP vermieden werden.

Besser ganz auf Sport zu verzichten, ist u. a. ratsam bei

  • Kreislaufbeschwerden,
  • akuten Infekten oder Fieber,
  • starken Schmerzen,
  • starker Übelkeit,
  • akuten Blutungen oder
  • an Tagen einer möglichen Chemotherapie.

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