Chronische bakterielle Prostatitis

Wie die akute, so wird auch diese chronische Entzündung der Prostata von Bakterien verursacht. Sie führt aber zu milderen und unbestimmteren Beschwerden und betrifft meist Männer in mittleren Jahren.

Von einer chronischen bakteriellen Prostatitis spricht man, wenn eine Infektion nachgewiesen ist (oder stark vermutet wird) und Krankheitszeichen über mindestens 3 Monate vorhanden sind. Sie erfordert wie die akute Form eine mehrwöchige Behandlung mit Antibiotika.

Bei Abwehrschwäche (z.B. durch eine HIV-Infektion oder Chemotherapie) kann auch eine chronische Prostatitis auftreten, die nicht von Bakterien, sondern von anderen Krankheitskeimen (z.B. Pilzen) verursacht wird. Diese Form ist nachfolgend nicht berücksichtigt.

Ursache und Entstehung

Die chronische Prostataentzündung kann von verschiedenen Bakterien verursacht werden. Sie gelangen oft über die Harnröhre, aber auch über die Samenwege, Blutgefäße oder Lymphgefäße in die Prostata (Näheres hierzu s. akute bakterielle Prostatitis).

Die Erkrankung entwickelt sich von Anfang an als chronische Entzündung oder entsteht aus einer nicht ausgeheilten akuten bakteriellen Prostatitis.

Krankheitszeichen

Anders als bei der akuten Form sind die Beschwerden hier in der Regel geringer und vor allem unbestimmter. Schmerzen oder Missempfindungen werden oft im Bereich von Prostata, Damm, Hodensack und Hoden lokalisiert, selten am Penis, an der Harnblase oder im unteren Rücken (im „Kreuz“) und nur gelegentlich an anderen Stellen (z.B. im Analbereich, in den Leisten). Beschwerden des unteren Harntrakts (LUTS) bestehen meist in häufigem Wasserlassen (Pollakisurie), erschwertem Wasserlassen (Dysurie), Harnstrahlabschwächung und schmerzhaftem Wasserlassen (Algurie, evtl. beim Wasserlassen zunehmend). Daneben können sich Veränderungen der Sexualfunktion finden, zum Beispiel eine Verfärbung des Spermas oder eine erektile Dysfunktion (Störung der Gliedversteifung).

Untersuchung und Abgrenzung

Beim Erheben der Krankengeschichte (Anamnese) können frühere Entzündungen von Prostata (akute bakterielle Prostatitis), Harnröhre (Urethritis) oder Nebenhoden (Epididymitis) auf eine chronische bakterielle Prostatitis hinweisen. Die Beschwerden lassen sich auch mittels Fragebogen erfassen (z.B. mit dem CPSI, engl. chronic prostatitis symptom index). Sie sind nicht von den Beschwerden beim chronischen Beckenschmerzsyndrom zu unterscheiden (s. nächster Abschnitt).

Bei der digitalen rektalen Untersuchung (DRU, Abtasten mit dem Finger vom Mastdarm aus) ist die Prostata normal oder druckempfindlich. Die Urinuntersuchung ergibt Anzeichen für die Entzündung. Außerdem finden sich bei der Dreigläserprobe Bakterien in der ersten und dritten Harnportion, bei der Viergläserprobe auch im Prostatasekret. In Kulturen werden die Art der Bakterien und ihre Widerstandsfähigkeit (Resistenz) gegen Antibiotika (Antibiogramm) getestet.

Bei Beschwerden des unteren Harntrakts lässt sich das Ausmaß der Harnabflussstörung aus der Blase zum Beispiel mit einer Harnflussmessung (Uroflowmetrie) bestimmen. Im transrektalen Ultraschall (TRUS) können Veränderungen zu erkennen sein, die auf die chronische Entzündung hinweisen (z.B. Verkalkungen). Im Sperma finden sich Entzündungszeichen und eventuell Bakterien, eine Untersuchung des Spermas nur zur Keimbestimmung ist jedoch nicht nötig. Eine mögliche Probeentnahme (Prostatabiopsie) sollte nicht transrektal (durch den Mastdarm) durchgeführt werden.

Von der chronischen bakteriellen Prostatitis sind zahlreiche andere Erkrankungen abzugrenzen, beispielsweise der Prostata und im Analbereich (s. hierzu auch chronisches Beckenschmerzsyndrom im nächsten Abschnitt). Dafür können weitere Untersuchungen erforderlich sein.

Behandlung

Nach dem Antibiogramm wird ein Antibiotikum ausgewählt und über 4-6 Wochen gegeben, manchmal auch länger. Letzteres gilt vor allem dann, wenn die Entzündung nach anfänglicher erfolgreicher Behandlung wieder auftritt. Gegen die Beschwerden werden schmerzstillende, krampflösende, entzündungshemmende, beruhigende und durchblutungsfördernde Medikamente eingesetzt. Chirurgische Eingriffe an der Prostata sollten vermieden werden.

Verlauf und Komplikationen

Die chronische bakterielle Prostatitis ist häufigste Ursache von rezidivierenden (wiederkehrenden) Harnweginfektionen bei Männern. Sie kann immer wieder aufflammen, und die Behandlung wird immer langwieriger. Deshalb sind eine sorgfältige Untersuchung und eine konsequente, unter Umständen länger dauernde Behandlung besonders wichtig, schon bei der ersten Entzündung. Ebenso sollte man Faktoren vermeiden, die die Prostatitis begünstigen (z.B. Auskühlung im Beckenbereich, starke Belastung des Beckenbodens).


  • Grabe, M., et al.: Guidelines on Urological Infections. European Association of Urology (EAU), 3/2013. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite der nicht-onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)

  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29923-3

  • Sökeland, J., et al.: Taschenlehrbuch Urologie. 14. Auflage, Thieme, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-13-300614-9

  • Wagenlehner, F. M. E., et al.: Prostatitis und männliches Beckenschmerzsyndrom. Diagnostik und Therapie. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(11): 175–83. DOI 10.3238/arztebl.2009.0175 (englisch, dort in der rechten Spalte Link auf die deutsche Version, Volltext auch als PDF verfügbar)

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Zuletzt aktualisiert: 12.12.2019