Wachstum und Ausbreitung des Prostatakarzinoms

Prostatakrebs wächst meist sehr langsam, zunächst innerhalb der Prostata. Dann kann er deren Kapsel durchbrechen und lokal fortschreiten. Ab einer gewissen Größe sind Metastasen möglich, bevorzugt in Lymphknoten und im Skelett. Die Ausbreitung wird mit dem TNM-System erfasst.

Die Wachstumsgeschwindigkeit des Prostatakarzinoms ist sehr niedrig. Bei gleichbleibender Zellteilungsrate bedeutet dies, dass es viele Jahre dauert, bis aus einer einzelnen, winzigen Krebszelle ein kleiner Tumor herangewachsen ist, der dann jedoch nicht mehr so lange braucht, um sich über einen eventuell tastbaren Knoten zu einem ausgebreiteten Krebs weiter zu entwickeln.

So geht man heute davon aus, dass latente Prostatakarzinome (s. Entstehung und Formen, „schlafender Krebs“) keine Sonderform, sondern Frühformen darstellen, also lediglich spät entstanden und zu Lebzeiten nicht mehr aufgefallen sind. Unbekannt ist allerdings, warum diese im Gegensatz zu den klinisch erkennbaren Tumoren in fast allen Bevölkerungsgruppen gleich häufig vorkommen (s. Häufigkeit). Offenbar entstehen in allen Gruppen gleich viele Karzinome, die aber nur in manchen Gruppen und auch dort nicht bei allen Männern aus unklaren Gründen beschleunigt weiterwachsen.

Ausbreitung

Vom seinem Entstehungsort, meist in der peripheren Zone, breitet sich der Tumor zunächst bevorzugt nach unten in Richtung Prostataspitze (Apex) aus, oder auch auf die anderen Zonen (lokal begrenztes Prostatakarzinom; zu den Zonen s. Anatomie). Dann kann er die Prostatakapsel durchbrechen, besonders entlang der durchtretenden Gefäße und Nerven, und in die Nachbarorgane wie Samenblase, Harnblase, Mastdarm oder Becken einwachsen (lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom).

Metastasen (Tochtergeschwülste) entstehen in der Regel zunächst lymphogen (über die Lymphgefäße), später hämatogen (über den Blutweg). Die ersten Lymphknotenstationen (regionäre Lymphknoten) liegen im kleinen Becken (in der so genannten Fossa obturatoria), weitere vor dem Kreuzbein, in der Leiste und entlang der großen Blutgefäße im Becken-, Bauch- und Brustraum. Die hämatogene Aussaat betrifft selten die inneren Organe, häufig aber das Skelett, anfangs insbesondere die Lendenwirbelkörper, Oberschenkelknochen und Beckenknochen.

Neben dem Typ (s. Klassifikation) bestimmt vor allem die Größe des Prostatakarzinoms seine Ausbreitung. So sollen erst Tumoren ab einem Volumen von 0,2ccm (Durchmesser 0,7cm, bei günstigem Sitz gerade tastbar) Metastasen bilden können, während dies bei mehr als 12ccm (Durchmesser 2,8cm) fast immer der Fall ist. Und unter 4ccm (Durchmesser 2,0cm) ist ein Kapseldurchbruch unwahrscheinlich.

TNM-System

Die Ausbreitung eines Prostatakarzinoms lässt sich mit dem TNM-System erfassen: T steht für den Primärtumor, N für Lymphknoten in der Umgebung (regionär) und M für Fernmetastasen (außerhalb der regionären Lymphknoten). Diese Kategorien werden mit Ziffern und Buchstaben weiter präzisiert (s. Tabelle und Abbildung).

Die Einstufung ist sehr wichtig für die Wahl der Therapie (s. Behandlungsplanung). Sie erfolgt zunächst anhand der Befunde aus klinischen und technischen Untersuchungen (s. Untersuchung). Dabei kann der untersuchten Kategorie ein c (= engl. clinical) vorangestellt werden (z.B. T2a N0 M0 oder cT2a cN0 cM0).

Nach der histologischen (feingeweblichen) Untersuchung von entferntem Gewebe (z.B. nach radikaler Prostatektomie) wird der betreffenden Kategorie ein p (= pathologisch gesichert) vorangestellt (z.B. pT2a pN0 M0). Zusätzlich fügt man eine weitere Kategorie R ein, die für einen irgendwo im Körper verbliebenen Resttumor steht: R0 = kein Anhalt, R1 = mikroskopisch sichtbar (z.B. wenn der Schnittrand vom Tumor befallen ist), R2 = makroskopisch (mit bloßem Auge) sichtbar. Beide neuen Angaben erleichtern die Abschätzung der Prognose.

Bei der Einstufung ist die jeweils höchste zutreffende Kategorie maßgeblich (z.B. kleiner, aber kapseldurchbrechender Tumor = pT3a, Metastasen in Knochen, aber auch in der Leber = M1c). Ein Tumor, der nur in der Prostatabiopsie, nicht aber mittels Tastuntersuchung (DRU) oder bildgebenden Verfahren zu finden ist, wird immer als T1c eingestuft, auch wenn er beide Prostataseiten betrifft. Eine mögliche Therapie (z.B. das Entfernen des Tumors) führt nicht zur Rückstufung.

Tabelle: TNM-System bei Prostatakarzinom. Erläuterungen siehe Text (nach UICC, 7. Aufl. 2009; zusätzlich: A0 bis D2 = Einstufung nach dem amerikanischen Whitmore-Jewett-System)

T-Kategorie des Prostatakarzinoms im TNM-System

Quellen (u.a.)

  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 1.03, März 2011. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Heidenreich, A., et al.: Guidelines on prostate cancer. European Association of Urology (EAU) 2011. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite der onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)
  • Rübben, H. (Hrsg.): Uroonkologie. 4. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007

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Zuletzt aktualisiert: 02.12.2019