Krankheitszeichen bei Prostatakrebs

Im Frühstadium gibt Prostatakrebs (Prostatakarzinom) keine eindeutige Warnung und verursacht allenfalls geringe, unbestimmte Symptome. Später kann es vor allem zu Beschwerden beim Wasserlassen und zu Knochenschmerzen kommen.

Prostatakrebs (Prostatakarzinom) löst in der Regel keine frühen Warnzeichen aus, weil es meist in der peripheren (äußeren) Zone der Prostata entsteht und somit weder schmerzhaft ist, noch die Harnröhre verengt (s. Entstehung und Formen des Prostatakarzinoms).

Es wächst in der Regel langsam, kann sich aber lokal in die Umgebung ausbreiten und Metastasen (Tochtergeschwülste) bilden (s. Wachstum und Ausbreitung des Prostatakarzinoms). Erst dann ist mit Beschwerden zu rechnen, zunächst beim Wasserlassen und seitens der Nachbarorgane (z.B. Mastdarm, s.u.), später auch in entfernten Bereichen. Keines der Symptome ist jedoch ein Beweis für den Tumor, denn alle können auch von anderen Krankheiten verursacht werden, was untersucht werden muss.

Lokal begrenztes Prostatakarzinom

Beschwerden beim Wasserlassen (s. Miktionsstörungen) sind ein relativ häufiges Zeichen, auch schon, solange der Tumor noch auf die Prostata begrenzt ist. Sie sind Folge einer Einengung der Harnröhre, entweder schon früh, wenn der Tumor nahe der Harnröhre entstanden ist (selten), oder bei Größenzunahme eines weiter außen gelegenen Karzinoms. Diese Zeichen wie abgeschwächter Harnstrahl, häufiges, besonders nächtliches Wasserlassen und Harnträufeln werden aber weitaus öfters von einem (evtl. gleichzeitig vorhandenen!) benignen Prostatasyndrom verursacht („gutartige Prostatavergrößerung“, s. Zeichen des BPS).

Sofern in diesem Stadium überhaupt Missempfindungen oder Schmerzen auftreten, sind sie meist gering und lassen sich schlecht orten (z.B. Mastdarm, Damm, Geschlechtsorgane, Schambein, Unterbauch). Solche Beschwerden können ebenfalls von einem BPS herrühren oder von Erkrankungen, insbesondere chronischen Entzündungen zum Beispiel des Mastdarms, der Harnblase oder der Prostata (s. Prostatitis). Durch Gewebeschädigung kann ein Prostatakarzinom jedoch eine Prostatitis auch erst ermöglichen oder unterhalten.

Lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom

Breitet sich der Tumor auf Harnröhre, Harnblase oder Harnleiter aus, kann es neben Miktionsstörungen (s.o.) zu weiteren Harnwegssymptomen kommen, wie sie auch bei Harnwegserkrankungen und als Komplikationen beim BPS möglich sind (s. Zeichen des BPS), zum Beispiel Schmerzen beim Wasserlassen und von Harnblase und Nieren, unsichtbare oder sichtbare Blutbeimengung zum Urin (s. Hämaturie), akute Harnverhaltung (Ischurie), Harnstauungsniere (meist schmerzloser Rückstau) und Nierenversagen.

Eine Ausbreitung durch die Kapsel hindurch in das umliegende Gewebe verursacht Schmerzen in diesem Bereich (vor allem am Schambein und Damm), die von anderen Prostataerkrankungen und Erkrankungen ihrer Nachbarorgane abzugrenzen sind (s. zwei Absätze weiter oben).

Stuhlunregelmäßigkeiten und Beschwerden beim Stuhlgang kommen ebenfalls bei zahlreichen Erkrankungen vor (auch bei Prostatitis). So kann eine Verstopfung (Obstipation) auf eine Darmeinengung durch ein großes Prostatakarzinom hindeuten und Blut im Stuhl auf dessen Einwachsen in den Darm (der Stuhltest gehört übrigens zur Darmkrebsvorsorge).

Blutbeimengungen zum Sperma (s. Hämospermie) können die Folge eines Tumorbefalls der Samenblasen sein, aber auch ausgehen von Entzündungen der Prostata (Prostatitis) oder der Samenblasen (Spermatozystitis, auch begleitend bei Prostatitis).

Bei Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion, „Impotenz“) sollten Männer, besonders im Alter über 45 Jahren immer auf ein Prostatakarzinom untersucht werden, vor allem wenn sich die Funktion in kurzer Zeit verschlechtert hat. Denn dies könnte ein Hinweis auf einen Befall der für die Erektion (Gliedversteifung) wichtigen Nerven sein, die der Prostata direkt anliegen (s. Anatomie der Prostata).

Metastasiertes Prostatakarzinom

Bildet der Prostatakrebs Tochtergeschwülste, ist zusätzlich zu den oben genannten mit weiteren Krankheitszeichen zu rechnen:

Allgemeine Symptome eines fortgeschrittenen bösartigen Tumors, aber auch vieler anderer Erkrankungen sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsknick, Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und Blutarmut.

Lymphknotenmetastasen können den Lymphabfluss aus den Beinen und den Geschlechtsorganen behindern und somit dort Lymphödeme (Ansammlungen von Gewebeflüssigkeit) verursachen. Sie können auch eine Harnleitereinengung mit Harnstauungsniere und Nierenversagen sowie andere Symptome verursachen.

Fernmetastasen finden sich beim Prostatakarzinom am häufigsten im Skelett, insbesondere in Lendenwirbelkörpern sowie Oberschenkel- und Beckenknochen (s. Wachstum und Ausbreitung des Prostatakarzinoms). Mögliche Hinweise hierauf sind Kreuzschmerzen (Lumbalgie), ins Gesäß oder in die Beine ausstrahlende Rückenschmerzen (Ischialgie), Schmerzen im Bereich von Becken, Hüfte und Oberschenkel sowie Knochenbrüche ohne entsprechende vorherige Gewalteinwirkung. Deshalb ist vor allem bei älteren Männern, die Rücken-, Gelenk- oder Knochenbeschwerden haben, immer auch abzuklären, ob Prostatakrebs (Prostatakarzinom) vorliegt.

Häufige Fragen zu Krankheitszeichen

Frage: Bei mir ist mit dem Wasserlassen und dem Sex alles in Ordnung. Muss ich trotzdem die Prostata untersuchen lassen?

Antwort: Schön, dass Sie keine Beschwerden haben. Sie müssen sich nicht untersuchen lassen, sollten es aber tun, zumindest wenn Sie die Vierzig überschritten haben. Nur um sicherzugehen, dass wirklich alles in Ordnung ist, und um einen Ausgangsbefund zu haben, mit dem spätere Untersuchungen verglichen werden können (s. hierzu auch Früherkennung von Prostatakrebs). Denn Prostatakrebs bildet sich meist im Außenbereich der Drüse und verursacht deshalb oft erst spät Krankheitszeichen, wenn die Heilungschancen geringer sind.

Frage: Welche Beschwerden sind typisch für einen Krebs, der sich noch in der Prostata befindet.

Antwort: Typische Anzeichen für ein solches lokal begrenztes Prostatakarzinom gibt es nicht. Wenn es überhaupt Symptome macht, dann handelt es sich meist um Beschwerden beim Wasserlassen (z.B. abgeschwächter Harnstrahl, s. Miktionsstörungen) oder um eher unbestimmte Missempfindungen (z.B. Druckgefühl am Damm oder im Unterbauch). Viel häufiger stecken hinter solchen Zeichen aber andere Erkrankungen wie eine gutartige Prostatavergrößerung (s. BPS) oder eine chronische Prostataentzündung (s. Prostatitis).

Frage: Sind Schmerzen ein Zeichen dafür, dass der Krebs über die Prostata hinaus gewachsen ist?

Antwort: Nur ein Anhaltspunkt dafür. Der Befall der Prostata selbst ist normalerweise nicht mit Schmerzen verbunden, zumindest solange keine begleitende Entzündung vorliegt. Bei einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom, das die Kapsel überschritten hat, kommt es zu Schmerzen, wenn der Tumor in umliegende Nerven, Bänder oder Organe einwächst. Die Beschwerden sind oft im Bereich des Damms, des Schambeins oder der Geschlechtsorgane lokalisiert. Sie sind jedoch kein Beweis für den Kapseldurchbruch, weil sie ebenso auf eine andere Erkrankung der Prostata oder ihrer Nachbarorgane zurückgehen können.

Frage: Ich bin Anfang Fünfzig und hatte in den letzten Monaten immer wieder mal ein Problem mit Impotenz. Kann Prostatakrebs der Grund dafür sein?

Antwort: Ja, aber das ist sehr unwahrscheinlich. Wenn Prostatakrebs die Kapsel der Drüse durchbricht, geschieht dies unter anderem bevorzugt entlang von hindurchziehenden Nerven und Gefäßen. Deshalb kann der Tumor die Gefäß-Nerven-Bündel befallen, die direkt an der Prostata liegen und die auch die Nerven für die Erektion (Gliedversteifung) enthalten (s. hierzu auch Wachstum und Ausbreitung des Prostatakarzinoms).

Bei einer erektilen Dysfunktion (Erektionsstörung), vor allem bei Männern ab Mitte Vierzig, sollte also auch eine Untersuchung auf Prostatakrebs erfolgen, obwohl es dafür zahlreiche andere und wesentlich häufigere Ursachen gibt. Bei einem gelegentlichen Ausbleiben der Erektion würde man übrigens noch nicht von einer erektilen Dysfunktion sprechen (mehr zum Thema in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Krankheitszeichen“ unter Erektile Dysfunktion).

Frage: Kann Prostatakrebs auch zu Blut im Sperma führen?

Antwort: Das ist möglich. Eine der bevorzugten Ausbreitungsrichtungen des Prostatakarzinoms führt entlang der Spritzkanälchen in die Samenblasen (s. hierzu auch Wachstum und Ausbreitung des Prostatakarzinoms). Da der Tumor in diesem Fall die Prostatakapsel bereits durchbrochen hat, also lokal fortgeschritten ist, tritt eine Blutbeimengung zum Sperma (Hämospermie) in der Regel nicht als erstes Anzeichen auf. Aber Prostatakrebs ist nur sehr selten Ursache einer Hämospermie (Näheres hierzu in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Krankheitszeichen“ unter Hämospermie).

Frage: Ich werde bald 70 und war bisher immer gesund. Seit einigen Wochen habe ich aber Kreuzschmerzen und fühle mich schlapp. Kann das was Ernstes sein?

Antwort: Ja, eine mögliche Ursache ist Prostatakrebs. Dieser Tumor verursacht besonders oft Tochtergeschwülste (Metastasen) in der Lendenwirbelsäule, und Abgeschlagenheit ist immer verdächtig auf einen bösartigen Tumor. Sie sollten jetzt aber nicht in Panik verfallen, denn es handelt sich eher um etwas Harmloseres. Dennoch empfiehlt sich eine umgehende Untersuchung bei Ihrem Arzt.

 

Weitere häufig gestellte Fragen rund um das Thema Prostata finden Sie in der Rubrik "FAQ". 

Hämospermie

Eine Blutbeimengung zum Sperma (Samenflüssigkeit) alarmiert Betroffene wie PartnerInnen. Sie ist meist harmlos, kann aber auch Zeichen einer Erkrankung sein, vor allem bei wiederholtem Auftreten.

Weil die Hämospermie oft unbemerkt bleibt, ist ihre Häufigkeit nicht bekannt. Meist sind Männer im Alter von 30-40 Jahren betroffen. Das Sperma ist rosa bis dunkelrot, bei älterem Blut auch bräunlich oder schwärzlich verfärbt.

Ursachen

In den meisten Fällen ist eine Ursache nicht zu finden (50-70%). Ansonsten kommen in Frage: Prostatitis (10%), benignes Prostatasyndrom (BPS, durch Stauung von Blutgefäßen, 10%), Urogenitaltuberkulose (5%) sowie Spermatozystitis (Vesikulitis, Entzündung der Samenblasen) und andere Infektionen. Nur selten sind Tumoren (z.B. Prostatakarzinom), Verletzungen, Hypertonie (Bluthochdruck) oder weitere Erkrankungen die Ursache einer Hämospermie.

Untersuchung

Nach dem Erheben der Anamnese (Vorgeschichte) folgt die körperliche Untersuchung: Blutdruckmessen zum Ausschluss einer Hypertonie (Bluthochdruck), Untersuchung des Penis auf Verletzungen, Abtasten der Nebenhoden und der Samenleiter zwischen Nebenhoden und Leistenring sowie Abtasten von Prostata und Samenblasen bei der digitalen rektalen Untersuchung.

Der Urin wird mittels Teststreifen und gegebenenfalls Zwei- oder Viergläserprobe (Auffangen von Harnportionen während des Wasserlassens) besonders auf Blutbeimengungen (Hämaturie), Entzündungszeichen und Krankheitserreger untersucht.

Der Wert der Spermauntersuchung ist umstritten: Abgesehen davon, dass dabei auch eine nur mikroskopisch sichtbare Hämospermie erkannt werden kann, soll etwa die Hälfte der Bakteriennachweise auf Verunreinigungen der Proben zurückzuführen sein (falsch positive Ergebnisse).

Bei Fortbestehen oder wiederholtem Auftreten der Hämospermie oder bei gleichzeitiger Hämaturie sind weitere Untersuchungen nötig: Zum Beispiel Urethrozystoskopie (Spiegelung von Harnröhre und Harnblase), transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS, vom Mastdarm aus) und MRT (Magnetresonanztomographie, NMR, Kernspin).

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Hämospermie. So ist eine Prostatitis konsequent zu behandeln, ebenso ein Harnweginfekt oder eine andere Entzündung (z.B. mit Antibiotika). Beim BPS kommt eine medikamentöse oder operative Behandlung in Frage. Nach dem Ausschluss behandlungsbedürftiger Erkrankungen steht die ausführliche Beratung und Beruhigung des Patienten im Vordergrund. Hormonpräparate (Östrogene, Kortikosteroide) sollten nicht gegeben werden.

Quellen (u.a.)

  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29923-3
  • Sökeland, J., et al.: Taschenlehrbuch Urologie. 13. Auflage, Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-13-300613-2

Erektile Dysfunktion (Erektionsstörung)

Störungen der Erektion (Gliedversteifung) haben oft eine psychische oder physische (körperliche) Ursache, darunter auch die Behandlung von Prostatakrebs. Doch es gibt vielfältige Behandlungsmöglichkeiten.

Erektile Dysfunktion heißt wörtlich Funktionsstörung der Erektion (Gliedversteifung), zu deutsch Erektionsstörung. Man versteht darunter das dauerhafte Unvermögen, eine Erektion zu erreichen oder aufrecht zu erhalten, die für einen befriedigenden Geschlechtsakt ausreicht. Aus dieser Definition geht unter anderem hervor, dass die Diagnose auch von der subjektiven Beurteilung durch den Betroffenen abhängt und dass ein gelegentliches Ausbleiben der Erektion noch keine EDysfunktion heißt wörtlich Funktionsstörung der Erektion (Gliedversteifung), zu deutsch Erektionsstörung. Man versteht darunter das dauerhafte Unvermögen, eine Erektion zu erreichen oder aufrecht zu erhalten, die für einen befriedigenden Geschlechtsakt ausreicht. Aus dieser Definition geht unter anderem hervor, dass die Diagnose auch von der subjektiven Beurteilung durch den Betroffenen abhängt und dass ein gelegentliches Ausbleiben der Erektion noch keine ED bedeutet.

Die erektile Dysfunktion wird umgangssprachlich auch als Potenzstörung oder Impotenz bezeichnet (von lat. potentia = Vermögen, Kraft, Macht). Dies ist jedoch medizinisch nicht korrekt, denn beide Begriffe umfassen außerdem das Unvermögen zur normalen Ejakulation (Samenerguss), die Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) und den fehlenden Drang zur sexuellen Betätigung (fehlende Libido = „Lust“).

Die Erektion ist Folge eines komplizierten Vorgangs, der schließlich zum Orgasmus (Höhepunkt der sexuellen Erregung) und zur Ejakulation führt: Bei ungestörter Libido und normaler Hormonlage werden in erotischen Situationen unter dem Einfluss der psychischen (seelischen) Verfassung des Mannes bestimmte Bereiche seines Gehirns erregt, zum Beispiel durch Seheindrücke, Berührung, Geruchsstoffe oder Vorstellungen (= das „Vorspiel“).

Über spezielle Zentren im Rückenmark und Nervenfasergeflechte in der Umgebung von Harnblase und Prostata erreichen die Impulse dann den Penis. Dort lassen sie die Muskulatur der Schwellkörper und der zuführenden Blutgefäße erschlaffen. Damit steigt der Blutzustrom in die Hohlräume der Schwellkörper, so dass diese sich ausdehnen, was zudem den Blutabfluss drosselt. Die Schwellkörper besitzen eine stabile Bindegewebshülle, die ihre Ausdehnung (Tumeszenz) begrenzt und zusammen mit dem Gleichgewicht aus Zu- und Abfluss des Blutes die Härte (Rigidität) der Erektion bestimmt.

Die Entleerung der Schwellkörper geschieht ebenfalls unter der Kontrolle des Gehirns über Nervenimpulse, die zur Anspannung der Muskulatur der zuführenden Blutgefäße und der Schwellkörper führen: Die Blutzufuhr sinkt, der Blutabfluss steigt und die Schwellkörper ziehen sich zusammen.

Häufigkeit

Viele Männer sind von einer mehr oder weniger ausgeprägten erektilen Dysfunktion betroffen, allein in Deutschland bis zu 6 Millionen. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter an, Studien zufolge auf mehr als 50%. Doch nur 10-25% davon lassen sich behandeln, obwohl selbst in höherem Alter noch bis zu zwei Drittel der Männer sexuell aktiv sind.

Die Dunkelziffer ist also hoch. Vermutlich hindert Scham viele Betroffene am Gang zum Arzt (oder die Angst, kein richtiger Mann zu sein), so dass zahlreiche Partnerschaften belastet werden, was das Problem wegen der psychischen Auswirkungen nur noch verschärft.

Ursachen

Aus dem oben beschriebenen Vorgang der Erektion ist zu erkennen, dass diese auf mannigfaltige Weise gestört werden kann. So findet sich nach Schätzungen in der Hälfte der Fälle von erektiler Dysfunktion eine körperliche Ursache, in 30% eine psychische (z.B. Versagensangst, Stress im Beruf, Partnerschaftskonflikte) und in 20% eine Mischung aus beiden.

An körperlichen Ursachen kommen zum Beispiel in Betracht:

  • Zufuhr von Genussgiften (z.B. Alkohol, Nikotin) oder Drogen.
  • Herz-Kreislauferkrankungen, z.B. koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“).
  • Stoffwechselkrankheiten, z.B. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Fettstoffwechselstörungen, Schilddrüsenkrankheiten.
  • Einnahme von Medikamenten, z.B. Blutdruck- und Blutfettsenker, Herzmedikamente, Entzündungshemmer, Psychopharmaka, Beruhigungs- und starke Schmerzmittel, Appetitzügler, Hormonpräparate (darunter auch Antiandrogene und LH-RH-Analoga zur Behandlung des Prostatakarzinoms, s. Hormontherapie).
  • Benignes Prostatasyndrom (gutartige Prostatavergrößerung, s. BPS).
  • Erkrankungen von Gehirn oder Rückenmark, z.B. multiple Sklerose, Schlaganfall.
  • Nervenschäden, z.B. durch Gifte oder bei Prostatakarzinom durch radikale Prostatektomie oder Strahlentherapie.
  • Veränderungen der Hormonspiegel durch Erkrankungen der Hypophyse (Hirnanhangdrüse), Hoden oder Nebennieren.
  • Fehlbildungen, Verletzungsfolgen oder Erkrankungen des Penis.

Als Haupt-Risikofaktoren für die ED gelten dieselben wie für Herz-Kreislauferkrankungen: Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, Hypercholesterinämie (erhöhte Blutfettwerte) und das metabolische Syndrom (kombinierte Stoffwechselstörung bei Diabetes mellitus).

Untersuchung

Basis ist das ausführliche Erheben der Anamnese (Vorgeschichte), um die Zahl der möglichen Ursachen einzugrenzen. Dazu gehören auch Fragen nach der Einnahme von Medikamenten, der psychischen Situation und dem Sexualleben. Bei der Sexualanamnese sollten die PartnerInnen einbezogen werden, und es können auch Fragebogen Verwendung finden (z.B. der IIEF, International Index for Erectile Function).

Dann folgt die körperliche Untersuchung, einschließlich der Messung von Blutdruck und Puls sowie einer DRU (s. digitale rektale Untersuchung). Labortests richten sich nach den bisherigen Ergebnissen und umfassen die Bestimmung von Blutzucker, Blutfetten und Geschlechtshormonen (s. auch Geschlechtshormone), gegebenenfalls auch weitere wie den PSA-Wert (s. PSA-Bestimmung).

Weil das Herz-Kreislauf-Risiko bei sexueller Aktivität, unter den von ED Betroffenen und bei der Therapie der ED erhöht ist, zielt die Diagnostik auch darauf ab, den Betroffenen einer entsprechenden Risikoklasse zuzuordnen, gegebenenfalls unter Hinzuziehung eines Kardiologen oder Internisten. So sind bei hohem Risiko (z.B. instabiler Angina pectoris = „Brustenge“) bis zur Besserung Enthaltsamkeit dringend anzuraten und die Einnahme von PDE-5-Hemmern (s.u.) in der Regel verboten. Bei niedrigem Risiko kann dagegen ein Versuch mit diesen Medikamenten ohne weitere Untersuchungen in Betracht kommen.

Die Spezialdiagnostik beinhaltet den Schwellkörperinjektionstest (SKIT) und die Sonographie (Ultraschalluntersuchung) der Penisgefäße, nur selten erforderlich sind zum Beispiel die Messung der nächtlichen Erektionen (NPTR, nächtliche penile Tumeszenz und Rigidität), die Aktivitätsmessung der Muskulatur der Schwellkörper (CC-EMG, Corpuscavernosum-Elektromyographie), die Röntgenkontrastdarstellung von Schwellkörpern oder Blutgefäßen sowie Funktionstests von Nerven oder Hormon-Regelkreisen.

Behandlung

Im Vordergrund stehen zunächst die Beseitigung der Risikofaktoren (z.B. durch körperliches Training, Gewichtsabnahme, Rauch-Stopp) und die Behandlung der Ursachen (z.B. Einstellung von Blutdruck und Blutzucker, Umstellung auf andere Medikamente, Hormonersatz, Operation von Fehlbildungen, Psychotherapie).

Parallel dazu - oder falls dies nicht ausreichen oder nicht möglich sein sollte - können symptomatische (gegen die Krankheitszeichen, also die ED gerichtete) Maßnahmen zum Einsatz kommen. 

Die Auswahl richtet sich nach der Ursache der ED, den Befunden und den individuellen Bedürfnissen und Erwartungen des betroffenen Paares. Erfolg, Zufriedenheit und unerwünschte Wirkungen sollten regelmäßig überprüft und die Therapie gegebenenfalls angepasst werden, zum Beispiel durch einen Wechsel oder eine Kombination der Methoden. Zur Verfügung stehen:

PDE-5-Hemmer: Diese Wirkstoffe hemmen ein Enzym (Ferment), die Phosphodiesterase 5 (PDE 5). Sie baut in den Schwellkörpern einen Stoff ab (cGMP), der für die Ausbildung und Aufrechterhaltung der Erektion nötig ist, sorgt also für das Abklingen der Erektion. PDE-5-Hemmer werden in Tablettenform eingenommen und führen bei etwa 80% der Männer zu einer Erektion. Sie sind heute Standard, wirken aber nur bei sexueller Stimulation und intakter Nervenversorgung des Penis. Auch ist die Liste der absoluten und relativen Kontraindikationen lang (Gegenanzeigen, z.B. schwere Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Leber, Magendarmtrakt und Augen, Einnahme von nitrathaltigen Medikamenten und nitrithaltigen Sexualstimulanzien). Es gibt drei verschiedene Wirkstoffe (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil). Sie unterscheiden sich in ihrem Wirkprofil und den unerwünschten Wirkungen, so dass ein Wechsel von Vorteil sein kann.

Andere Medikamente: Zur Verfügung stehen mehrere Wirkstoffe mit unterschiedlichem Wirkmechanismus (z.B. Yohimbin), weitere werden derzeit entwickelt und getestet. Gewarnt werden muss vor der unkritischen Einnahme frei verkäuflicher Arzneimittel und Stimulanzien (Aphrodisiaka). Manche Präparate enthalten PDE-5-Hemmer oder andere hochwirksame Substanzen, können also gefährlich sein, während andere gänzlich unwirksam oder verboten sind (z.B. aus Artenschutzgründen). Am besten, Sie lassen sich vorher ausführlich beraten.

SKAT (Schwellkörperautoinjektionstherapie): Bei der SKAT spitzt sich der Betroffene selbst (oder eine andere Person) eine Lösung in beide Schwellkörper, natürlich nur nach ausführlicher Anleitung. Verwendet wird meist Alprostadil (= Prostaglandin E1) in individueller Dosierung, manchmal kommen auch andere Wirkstoffe oder eine Kombination zum Einsatz. Vorteil ist eine hohe Ansprechrate von bis zu mehr als 90%, unabhängig von der Ursache der ED. An unerwünschten Wirkungen ist vor allem der Priapismus zu erwähnen, eine schmerzhafte Dauererektion, die zwar selten auftritt, jedoch wegen möglicher Dauerschäden spätestens nach vier Stunden ein ärztliches Eingreifen erforderlich macht.

Intraurethrales Prostaglandin E1: Hierbei führt der Betroffene den Wirkstoff Alprostadil in Form eines Stäbchens mit einem Applikator in die Harnröhre (intraurethral) ein. Die Methode ist eine Alternative zur SKAT, wenn der Betroffene diese ablehnt, die Ansprechrate liegt jedoch deutlich niedriger.

Vakuumerektionssysteme (Vakuumpumpen): Sie erzeugen eine passive Erektion durch Unterdruck in einem über den Penis gestülpten Rohr. Ein an der Penisbasis angelegter Ring drosselt den Blutabfluss und erhält die Erektion aufrecht; er sollte nach 30 Minuten wieder abgenommen werden. Die Ansprechrate beträgt mindestens 90%, zu Nebenwirkungen kommt es sehr selten. Solche Systeme sind besonders von Vorteil, wenn die bisher genannten Methoden sich verbieten oder versagt haben.

Schwellkörperimplantate (Penisprothese): Das Einpflanzen von steifen, elastischen oder aufpumpbaren Stäben in die Schwellkörper wird nur noch selten durchgeführt. Nachteile liegen in der endgültigen Veränderung der Schwellkörper durch die Operation, im allgemeinen Operationsrisiko, im Risiko für eine anschließende Infektion und in den hohen Kosten. Vorteil ist dagegen die dauerhafte Behebung der erektilen Dysfunktion, was sich auch an einer der höchsten Akzeptanzraten von allen Methoden zeigt.

Quellen (u.a.)

  • Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): Diagnostik und Therapie von Libido- und Erektionsstörungen. 3/2005. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29923-3
  • Sökeland, J., et al.: Taschenlehrbuch Urologie. 13. Auflage, Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-13-300613-2
  • Wespes, E., et al.: Guidelines on erectile dysfunction. European Association of Urology (EAU), 3/2005. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite der nicht-onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)

 

Hämaturie: Blut im Urin

Die Blutbeimengung zum Urin (Harnblutung) kann zahlreiche ernste Ursachen haben. Sie ist deshalb immer ein Alarmsignal und erfordert eine sofortige ärztliche Untersuchung.

Einteilung

Nach der Sichtbarkeit unterscheidet man die Mikrohämaturie, die sich nur mikroskopisch nachweisen lässt, von der Makrohämaturie, die makroskopisch, also schon mit bloßem Auge erkennbar ist. Je nach Menge des Blutes ist der Urin bei der Makrohämaturie schwach rosa bis dunkelrot verfärbt, bei älterem Blut wird der Farbton bräunlich.

Eine weitere Einteilung erfolgt anhand des Auftretens während des Wasserlassens in die initiale (zu Beginn), terminale (am Ende) und totale Hämaturie (während der gesamten Harnentleerung). Außerdem anhand von begleitenden Schmerzen in die schmerzlose und schmerzhafte Hämaturie.

Ursachen

Die Liste der möglichen Ursachen ist lang: Zum Beispiel Entzündungen, Steine, Tumoren, Gefäßveränderungen oder Verletzungen im Bereich von Niere, Harnleiter, Harnblase, Prostata oder Harnröhre, Störungen der Blutgerinnung (auch durch Medikamente) und Krankheiten von Blut, Leber, Herz und Gefäßen.

Hinweise geben die Art der Hämaturie und begleitende Zeichen. So spricht eine initiale, schmerzhafte Makrohämaturie für eine Entzündung der Harnröhre (Urethritis), eine terminale, schmerzhafte hingegen für eine Blasenentzündung (Zystitis) oder, besonders in Verbindung mit Harnstottern, für einen Harnblasenstein. Typisch bei Prostatitis sind dumpfe Schmerzen am Damm und Beschwerden beim Wasserlassen. Eine schmerzlose Makrohämaturie kann beim benignen Prostatasyndrom (BPS) auftreten, wenn durch Pressen beim Wasserlassen eine von der vergrößerten Prostata gestaute Vene am Harnröhrenanfang platzt.

Komplikationen

Verteilt sich das Blut nicht ausreichend im Urin, kann es gerinnen (Koagel bilden), die Harnwege verstopfen und so zu Komplikationen führen. Beispielsweise zur akuten Harnverhaltung mit starken Schmerzen, wenn der Urin nicht mehr aus der Harnblase abfließen kann.

Untersuchung

Eine Makrohämaturie sieht sehr beunruhigend aus. Der Blutverlust ist dagegen meist gering (Blut färbt sehr intensiv, denken Sie zum Beispiel an das Mundspülwasser bei Zahnfleischbluten). Wegen der möglichen ernsten Ursachen sollten Sie dennoch umgehend einen Arzt aufsuchen.

Nach dem Erheben der Krankengeschichte (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung wird der Urin untersucht: Der Teststreifen liefert erste, richtungweisende Befunde. Bei der Dreigläserprobe werden eine erste, mittlere und letzte Harnportion aufgefangen. Daraus ergeben sich die Unterscheidung in die initiale, terminale und totale Hämaturie sowie weitere Befunde, gegebenenfalls nach zusätzlichen Untersuchungen (z.B. mikroskopische Analyse des Harnsediments, Bakterienkultur).

Im Einzelfall können weitere Untersuchungen erforderlich sein, zum Beispiel Sonographie (Ultraschalluntersuchung), Urethrozystoskopie (Spiegelung von Harnröhre und Harnblase), Röntgenaufnahmen und Blutuntersuchungen.

Abgrenzung

Die Hämaturie ist abzugrenzen von der Rotfärbung des Urins, zum Beispiel mit Blutfarbstoff (Hämoglobinurie, vor allem bei Bluterkrankungen), mit Muskelfarbstoff (Myoglobinurie, bei Muskelzerfall), durch Medikamente (insbesondere Magen-Darm-Mittel) und durch Nahrungsmittel (rote Bete, Rhabarber, manche Tees, zugesetzte Farbstoffe).

Behandlung

Keinesfalls sollte eine Hämaturie ohne vorherige Untersuchung behandelt werden. Denn die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. Siehe hierzu beispielsweise Prostatitis und benignes Prostatasyndrom (BPS).

Quellen (u.a.)

  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29923-3
  • Schultze-Seemann, W. et al.: Therapieleitfaden Prostataerkrankungen. 1. Auflage, Uni-Med, Bremen 2002, ISBN 978-3-89599-603-0
  • Sökeland, J., et al.: Taschenlehrbuch Urologie. 13. Auflage, Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-13-300613-2